ZFF 2016: Peripherie

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Auf Peripherie war ich eigentlich sehr gespannt, hatte sogar mal kurz mit den Leuten dahinter zu tun. Aber was soll ich sagen: Der Film ist furchtbar.
Es handelt sich dabei um ein Abschlussprojekt der ZHdK, ein Gemeinschaftswerk des diesjährigen Masterstudiengangs in Film. Fünf Episoden, alle spielen am 1. August, sie sind ineinander verschachtelt, gemacht von fünf RegisseurInnen und vier DrehbuchautorInnen. „Die Produzenten oder Schnittleute waren auch Teil des Masterstudiengangs“, erklärte Romana Friedli (Drehbuch). Sie stellte sich im Anschluss an die Vorstellungen vom Donnerstagnachmittag dem Publikum, zusammen mit Wendy Pillonel (Regie).

Was find ich am Film so furchtbar? Man nehme zum Beispiel die Episode um Sonja: Die junge Frau ist aus der Ukraine, hat dort einen Schweizer kennengelernt und sich in ihn verliebt. Nachdem er abgereist ist, stellt sie fest, dass sie schwanger ist – also fliegt sie nach Zürich. Aber ohne dem Schweizer etwas zu sagen, denn sie will ihn überraschen. Als sie schliesslich vor seiner Tür steht, ist er völlig entgeistert. Kein Wunder, denn wie sich herausstellt, hat er Frau und Kind.

Solche abgeschmackten Klischees durchziehen alle fünf Episoden. Mitunter sind die Handlungswendungen derart plump und einfallslos, dass man ums Fremdschämen nicht herumkommt.
Nun habe ich wirklich keine Freude daran, auf Filmstudierenden herumzuhacken, darum geb ich die Schuld lieber dem Lehrkörper. Projektleiter war Markus Imboden, Regisseur von Komiker und Am Hang. Er, oder sonst jemand von den Betreuern, hätte irgendwann einschreiten müssen: „Leute, so kann man keine Geschichte erzählen. Das ist auf dem Niveau der Lindenstrasse.“
Friedli und Pillonel erzählten, dass sie extrem wenig Zeit hatten, um den Film zu machen. Das mag so manches erklären. „Für das nächste Mal würde ich mir günstigere Bedingungen wünschen“, so Friedli. Pillonel schloss sich dem an.

Apropos Publikumsgespräch: Die Zuschauer waren nicht direkt unhöflich (es ist ja nicht wie in der Oper, wo das Buhen und Auspfeiffen noch Usus ist), aber man spürte den Leuten die fehlende Begeisterung schon an. Zumindest war das die einzige Vorstellung, die ich miterlebt habe, wo mit Ach und Krach nur eine einzige Zuschauerfrage zustande kam – und dann war es eine kritische: „War es eine bewusste Entscheidung, dass sich am Ende alle Figuren moralisch richtig entscheiden? Ich hätte es noch gut gefunden, wenn es zumindest in einer Episode anders wäre.“
Friedli blieb nicht viel mehr übrig, als in Verteidigungsstellung zu gehen.
Am Ende hatten jedenfalls alle verloren, FilmemacherInnen wie Publikum.
 

Peripherie läuft in der Kategorie Fokus Schweiz, Deutschland, Österreich / Wettbewerb
Letzte Vorstellung: Sa 1.10. um 18.45 Uhr in der Arena 7
Peripherie
Schweiz 2016, 82 Min.
Regie: Lisa Brühlmann, Yasmin Joerg, Jan-Eric Mack, Wendy Pillonel, Luca Ribler
Drehbuch: Remie Blaser, Olga Dinnikova, Romana Friedli, Jérôme Furrer
Mit Roger Bonjour, Jaap Achterberg, José Barros, Pema Shitsetsang, Yelena Tronina et al.
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