War Dogs: Gier, Geilheit, Gewehre

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Bush opened the floodgates in Iraq. It’s a fucking gold rush!
Efraim

Andrew Niccols Lord of War ist ein herrlicher Film – vom Vorspann, der den Lebensweg einer Gewehrkugel nachverfolgt, bis hin zur Schauspielleistung von Nicolas Cage. Er verkörpert den fiktiven Waffenhändler Yuri Orlov. Der Kerl ist Sohn ukrainischer Eltern, die sich als Juden ausgegeben haben, um in die USA flüchten zu können. Sein Vater führt ein Restaurant. Aus eigener Erfahrung lernt Yuri, dass die Menschen zwei Dinge stets benötigen: Essen und Waffen.
So lebt Yuri vom Krieg, und zwar gut. Insbesondere der Pakt mit einem afrikanischen Kriegsherren erweist sich als äusserst einträglich. Allerdings ist ihm ein Interpol-Agent (Ethan Hawke) auf den Fersen – der sich schliesslich mit Yuris Frau (Bridget Moynahan) verbündet, um den „Herrn des Krieges“ dingfest zu machen.
Das Beste am Film ist, dass Yuri im Laufe der Handlung seine Menschlichkeit immer mehr verliert, immer mehr zum Monster wird – bis er am Ende gar keine Moral mehr kennt. Hier wird niemand geläutert. „I never sold to Osama bin Laden“, erzählt er einmal. „Not on any moral grounds: back then, he was always bouncing checks.“
Mehr oder weniger lose auf realen Ereignissen und Personen basierend, ist Lord of War nicht zuletzt eine bitterböse Politsatire. Denn wie sich herausstellt, ist Yuri zwar ein Monster – aber ein Monster, auf das nicht nur Kriegsherren, sondern auch die USA angewiesen sind.

Faszinierender Fakt: Der Film kam 2005 ins Kino — im gleichen Jahr, in dem jene realen Ereignisse ihren Anfang nahmen, die nun War Dogs nacherzählt. Damals steigen David Packouz (Miles Teller) und Efraim Diveroli (Jonah Hill), zwei jüdische Jungs um die zwanzig, zwei Kiffer von Miami Beach, ganz gross ins Waffengeschäft ein. In Afghanistan und im Irak herrscht nämlich Krieg, und die Regierung Bush hat jede Menge Rüstungsaufträge zu vergeben.
David und Efraim greifen bei den kleinen Aufträgen zu, für die sich die grossen Rüstungkonzerne nicht interessieren – so kriegen sie den Fuss in die Tür. Mit viel Geschick und einer Portion Skrupellosigkeit arbeiten sie sich allmählich nach oben.

Besonders Efraim kennt keinerlei moralische Bedenken. Da sollen die beiden zum Beispiel eine Ladung Berettas an einen US-Stützpunkt in Bagdad liefern. Die Waffen stammen aus Italien. Weil das Land aber ein Waffenembargo verhängt hat, lässt Efraim die Ladung kurzerhand nach Jordanien verschiffen. Dort wird die Ladung wiederum am Zoll aufgehalten. Ein paar Bestechungsgelder später sind die Gewehre auf einen Laster geladen, den ein Einheimischer über die Grenze und mitten durch Kriegsgebiet zum Stützpunkt fährt — mit Efraim und David auf dem Beifahrersitz.

Die beiden Hauptdarsteller sind toll, vor allem aber Jonah Hill als durchgeknallter Mistkerl, der vor lauter Geldgier für jede Schweinerei zu haben ist. Genau diese Gier wird seinem Efraim am Ende auch zum Verhängnis – als nämlich die US-Regierung einen Grossauftrag für einen Langzeit-Einsatz in Afghanistan vergibt. Efraim und David unterbieten sämtliche Konkurrenten. Aber woher nehmen sie die hundert Millionen Gewehrkugeln, die verlangt werden? Ganz einfach: Aus einem albanischen Waffenlager, das noch aus dem Kalten Krieg stammt. Dass die Munition schon längst unbrauchbar ist und zudem aus chinesischer Produktion stammt (deren Verwendung fürs US-Militär strengstens verboten ist), ficht unsere „Helden“ nicht an.

Man könnte ja fast schon glauben, Efraim und David seien angetreten, um Lord of War in die Realität umzusetzen. Wie der fiktive Yuri haben sie einen jüdischen Hintergrund (auch wenn es beim Ukrainer ein erfundener Hintergrund ist), wie er profitieren sie davon, dass die US-Regierung nicht so genau hinsieht, woher ihre Waffen kommen, solang die richtigen Leute erschossen werden. Das ist jedenfalls eine dankbare Vorlage für Hollywood. Die Hangover-Macher haben daraus dann auch eine grandios lustige Politsatire fabriziert.

Übrigens, wieso zitiert das Plakat von War Dogs so offensichtlich jenes von Brian De Palmas Scarface? Deshalb: Efraim und David waren als Kinder Fan des Films und haben sich die ganze Zeit gegenseitig Zitate um die Ohren gehauen. Ehrensache also, dass später im Büro der beiden ein grosses Bild von Al Pacino hängt, natürlich in seiner berühmtesten Pose („Say hello to my little friend!“) — in seiner Hand die M16 mit dem massgefertigten Granatenwerfer. Beim Anblick dieser Waffe krieg sogar ich schwache Knie.

Interessante Lektüre zum Schluss: Hier gibts den Artikel von Guy Lawson, die direkte Vorlage für War Dogs.

War Dogs
USA 2016, 114 Min.
Regie: Todd Phillips
Drehbuch: Stephen Chin, Jason Smilovic, Todd Phillips (nach dem Artikel von Guy Lawson)
Mit Miles Teller, Jonah Hill, Ana de Armas, Bradley Cooper, et al.

 

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