Ein Film so zum Gähn

Ich hatte mal versucht ein Drehbuch zu schreiben. Zusammen mit einer sehr engagierten Filmemacherin aus Bern. Wir haben 2 Jahre lang an der Story, den Figuren, den Dialogen und Drehorten gefeilt. Und dann abgebrochen. Oder ich hab abgebrochen. Erst schrieb ich unserem renommierten Produzenten in betrunkenem Zustand eine so verrückte E-Mail, dass er verständlicherweise wohl nie mehr ein Wort mit mir wechseln wird, und dann teilte ich meiner Co-Autorin mit, das Projekt sei für mich gestorben. Dabei war es ganz nett gewesen, hatte eine lustige Hauptfigur, und auch einzelne Nebenfiguren hatten grosses Potential. Nur war es eben für meine Ansprüche zu wenig. Zu viele Klischees die nicht gebrochen, oder wenn gebrochen, dann mit Ansage gebrochen wurden. Viel zu wenig fieser Humor. Viel zu viel netter Humor. Es hätte den Aufwand weiterzumachen, einen Film zu machen, schlicht nicht gerechtfertigt. Wir hätten bloss die Zeit von vielen Leuten verschwendet. Es wäre ein Film geworden so schlecht wie „Ein Mann namens Ove“.

Mein Verdacht ist ja, dass ich bloss solange an dem Projekt gearbeitet habe, weil die Filmemacherin hübsch war und ich wohl irgendwie scharf auf sie. Hat beides nicht geklappt. Nur wundere ich mich seit langem, sei es im Theater, im Kino oder im Konzertsaal, warum nicht mehr Menschen zu solchen Entscheidungen fähig sind. Es ist ja voll ok es zu versuchen, und es ist auch ok zu scheitern, und ich bin wirklich der letzte, der es nicht toll findet, wenn Menschen ihre Erfahrungen transformieren, also vom Konsumieren wieder ins Machen kommen. Aber man kann doch einschätzen, bei allem Ehrgeiz oder egal wie scharf man auf jemanden ist, ob etwas gut ist, ob etwas relevant ist, ob etwas nötig ist, dass man dafür Eintritt verlangen kann, oder Zeit in Anspruch nehmen, oder Aufmerksamkeit. Ein Freund von mir, der manchmal gutes und manchmal schlechtes Theater macht, kommt dann immer mit Monthy Phyton und behauptet die Hälfte ihrer Skechte seien scheisse. Das ist für mich kein Argument, denn die andere Hälfte ist dafür genial. Ich finde learn by doing ja ok, aber muss es denn öffentlich sein? Gäbe es dafür nicht Kunstschulen?
Wie auch immer. Der Film „Ein Mann namens Ove“ dürfte nicht im Kino laufen, wenn ich eine ästhetische Diktatur errichtet hätte. Er basiert auf dem gleichnamigen Buch und es wäre somit vorauszusehen gewesen, dass das nichts werden kann. Erzählt wird das Leben des Eigenbrötlers Ove, der seine Nachbarn mit der strikten Kontrolle zur Einhaltung der Regeln seines Wohnviertels terrorisiert. Als er entlassen wird, weil er zu alt ist, will er sich umbringen, weil er seine tote Frau vermisst, aber immer wenn er das versucht, pfuschen ihm seine neusten Nachbarn rein, welche gerade hergezogen sind, und seine Rolle als Führer der Siedlung nicht kennen. Klingt amüsanter als es ist und soll komisch sein.

Schlimm an einem solchen Film finde ich vor allem das Wälzen von immer gleichen Darstellungen des europäischen Lebens (nervt genauso bei asiatischen, lateinamerikanischen, amerikanischen Filmen, halt einfach mit Wechsel der Vorurteile). Es ist als wolle man das Hier und Heute in biederer Heiterkeit in Stein meisseln. Dabei macht man sich angeblich über den Spiesser Ove, der überall Verbotsschilder aufhängt, lustig, und er kann sich dank schwierigen Nachbarn weiterentwickeln, was ja wirklich klug gedacht scheint, man ist aber in Wirklichkeit viel regelkonformer als jeder noch so radikale Gartenzwergfaschist. Und vergisst dabei, dass die meisten Leute, welche solch Zwangsstörungen haben, nicht bereit oder fähig sind sich zu ändern. Ja, sie sehen darin entscheidend die Legitimität ihrer Existenz. Das Menschenrecht, sich nicht ändern zu müssen, selbst wenn alle anderen darunter leiden. Würde Ove irgendwann zum Stumgewehr greifen und seine Wohnsiedlung zusammenschiessen oder anzünden, das würde Sinn machen. Leider aber sagt der Film lieber aus, dass guten Menschen auch mal etwas Trauriges passiert und dass sie das dann prägt. Einfach nur zum Kotzen sowas.

Zum Glück hatte ich die Möglichkeit den Film zu Hause anzuschauen und so konnte ich nach 50 Minuten anfangen die Küche aufzuräumen und das Geschirr abzuwaschen und ging dann irgendwann schlafen. Ove lag grad in einem Krankenbett und seine hochschwangere Nachbarin (muss ich sagen, dass sie Iranierin ist und deshalb „gut kochen“ kann, würg?) bekam grad die Wehen. Was für eine Zeitverschwendung, dieser Film. Eine weisse Wand 1 Stunde und 55 Minuten anzuschauen und dabei über die Leichtbauweise von Modellflugzeugen nachzudenken wäre spannender. Oder jedes, wirklich jedes, wirklich jedes andere Thema.

Es gibt dafür 2 von 10 Volvos. Und ganz bestimmt keinen einzigen Saab.

Nachtrag: Seit kurzem arbeite ich wieder an dem Drehbuch mit der Filmerin. Sie hat das alleine so weit überarbeitet, dass es doch noch ganz gut werden könnte. Wir werden sehen.

Ein Mann namens Ove/En man som heter Ove
Schweden 2015, 116 Min.
Regie & Drehbuch: Hannes Holm (nach dem Roman von Fredrik Backman)
Mit Rolf Lassgård, Filip Berg, Sofie Gällerspång et al.

 

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