Das „je ne sais quoi“ der Avengers

Warnung: Nicht, dass wir irgendwas spoilern würden, das wirklich Belang hat — aber ja, wir sprechen zum Teil über die Handlung. Weiterlesen auf eigene Gefahr. Keine Haftung bei Haareraufen.

Civil War ist weniger Captain America und mehr Avengers, mit der Konzentration auf das Ensemble. Was ich aber super finde: Kein Hulk. Der ist halt ein ziemliches one-trick pony.
Es fehlt mir ein wenig das je ne sais quoi des ersten Avengers, der Humor, der Esprit. Civil War ist aber definitiv besser als Avengers: Age of Ultron, wenn man die Filme in normativen Begriffen verlgeichen will.

Ansonsten legen die Filmemacher dieses Mal den Fokus auf das Männerdrama: Captain America (Chris Evans) und der Winter Soldier (Sebastian Stan) — sein Jugendfreund und ehemaliger Kriegskumpan. Bucky fühlt sich schuldig, weil er unter der Hirnwäsche Schreckliches getan hat – und Cap versucht ihn trotzdem gegen alle Welt zu verteidigen. Wenn es sein muss, auch gegen Iron Man (Robert Downey Jr.).
Denn ja, da ist diese Idee von: Iron Man plus Konsorten gegen Captain America und Konsorten. Superhelden gegeneinander aufbringen, das ist schon etwas vorhersehbar. Dabei ist von Anfang an klar, dass die beiden Fraktionen irgendwann merken, dass es völlig idiotisch ist, wenn sie gegeneinander kämpfen. Iron Man und Captain America sind ja beide Helden, sie wollen im Grunde das Gleiche. Die Wandlungen und Meinungsumschwünge gehen dann zum Teil extrem schnell, gerade dafür, dass der Fokus derart auf der Charakterentwicklung liegt.

Die Ensemble-Schlacht fällt für mich etwas flach: Es gibt zu viele Schnitte, die Kameraarbeit ist zu verwackelt – das konnte man nicht auskosten. Lässig wären die Kampfchoreographien ja, aber: We never get so see them!
Es gibt ein paar sehr geile Actionszenen, wie die Verfolgungsjagd mit Black Panther (Chadwick Boseman), der es auf den Winter Soldier abgesehen hat. Den möchte er ja umbringen, weil er ihn für den Tod seines Vaters verantwortlich macht: Der alte Mann hat das Abkommen ausgehandelt, das die Avengers unter Beaufsichtigung der Vereinten Nationen stellen soll. Denn nach all den Kollateralschäden der letzten Jahre ist klar: Da muss man was machen. Das findet auch Iron Man. Captain America wehrt sich allerdings gegen den Einfluss der Politik.

Jedenfalls hilft es Cap nicht, als ein Treffen der Vereinten Nationen Ziel eines Bombenanschlages wird – und man den Winter Soldier, seinen Kumpel Bucky, als Täter identifiziert. Black Panther will sich nun also am Vatermörder rächen, Captain America will ihn lebend festnehmen. So jagen sie sich gegenseitig, während gleichzeitig diese Geschichte mit dem Bösewicht (Daniel Brühl) abläuft, der es auf die Avengers abgesehen hat und sie gegeneinander ausspielt.
Brühl geht als Bösewicht einigermassen, hat aber auch nicht die gleiche Ausstrahlung wie andere movie villains. Da werden Erwartungen hochgeschraubt, die sich am Ende ein wenig antiklimaktisch entladen.

Übrigens, die Romanze! Zwischen Captain America und der Nicht von Peggy Carter, von der wir ja erst jetzt wissen, dass sie ihre Nichte ist. Also Sharon (Emily VanCamp). Wenn sie nun den Captain küsst, den ehemaligen Freund ihrer verstorbenen Tante, das mutet schon ein wenig inzestuös an. Dankbarerweise dauert das aber auch nur sehr kurz an.

Das alles heisst jetzt nicht, dass der Film schlecht wäre. Als Unterhaltung sind ja sämtliche Marvelfilme grandios. Unsere ganzen Darlings wieder zu sehen: toll! Die Schauspieler sind ja auch brauchbar. Iron Man ist weniger snarky als auch schon, dafür haben wir jetzt als comic relief Ant-Man und Spider-Man – denn Insekten sind ja witzig.
Aber am Ende fehlt eben doch der x factor.

Captain America: Civil War
USA 2016, 147 Min.
Regie: Anthony & Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely (nach Joe Simon, Jack Kirby & Mark Millar)
Mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Chadwick Boseman, Daniel Brühl, Scarlett Johansson et al.

 

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Ein Gedanke zu “Das „je ne sais quoi“ der Avengers

  1. Der Hulk ist doch kein one trick pony! Banner war der grüne, dumme Hulk, der intelligente Professor Hulk und auch der skrupellose graue Mr. Fixit. Das würde doch genügend Stoff für gute Filme mit ihm geben.

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