Ein Monster im Badehaus: Die Kinostarts vom 14. April 2016

The Jungle Book
Von Jon Favreau
USA 2016, 105 min.
Das Zeichentrick-Musical von 1967 in einen Realfilm zu übersetzen, ohne die veränderten Bedingungen des Mediums zu beachten, war ein schwerwiegender Fehler. Slapstick und exaltierte Stimmenarbeit funktionieren im Cartoon hervorragend — macht man dasselbe innerhalb den Grenzen unserer Realität, fällt alle Glaubwürdigkeit in sich zusammen.
Oder anders gesagt: Ben Kingsleys ausdrucksvolle Stimme passt nicht zum ausdruckslosen Antlitz des computeranimierten Panthers Bagheera. Selbst die grauenhaften Realfilme um Garfield, die Schlümpfe oder Alvin und die Chipmunks funktionieren da besser, da sie das Cartooneske der Figuren ansatzweise beibehielten (das Grundproblem bleibt sich freilich hier wie dort dasselbe).
Mitunter hat das Übersetzungsproblem in „The Jungle Book“ bizarre Folgen: So begegnet der kleine Menschenjunge Mowgli (Neel Sethi) auch hier Kaa, der Schlange (gesprochen von Scarlett Johansson), die ihn hypnotisiert. Konnte der Zeichentrickfilm das noch sehr deutlich mit einem geringelten Hypnose-Effekt darstellen, so schwappt bei Realfilm-Kaa kurz ein Farbschleier über die Augen — was innerhalb unserer Realität keinen Sinn ergibt und dazu noch kaum von jemandem als Hypnose erkannt werden dürfte, der den Trickfilm nicht gesehen hat.
Positiv kann man dem neuen „Jungle Book“ nur anrechnen, dass mit Neel Sethi tatsächlich mal wieder ein Mensch mit brauner Haut die Hauptrolle in einem Hollywoodfilm bekommen hat. Eine andere Geschichte ist, dass nun ein kleiner Junge anderthalb Stunden lang fast nackt durch den Film rennt.

 
Hardcore Henry
Von Ilya Naishuller
USA/Russland 2015, 90 min.
Vollständig aus der Perspektive des Helden gedreht, erzählt „Hardcore Henry“ von einem Kerl, der zum Cyborg umgebaut und von einem Bösewicht mit psychokinetischen Superkräften gejagt wird. Eine Hommage an Videospiele im Allgemeinen und Egoshooter im Besonderen, ist der Film ultrabrutal und voller bizarrer Ideen. Und mir ist kein anderes Projekt bekannt, das das Stilmittel der Egoperspektive mit derart spektakulären Ergebnissen umsetzt — alle paar Minuten hab ich mich gefragt: „Wie zum Teufel haben die das gemacht?“
Anders gesagt: „Hardcore Henry“ ist einer der besten Actionfilme aller Zeiten und ein Meilenstein der Filmgeschichte.
Ehrensache also, dass der Schweizer Verleih nur die miserable deutsche Synchronfassung in die Schweizer Kinos bringt. Na herzlichen Dank auch.
Hier gibt’s meine Züritipp-Kritik zum Film.

 
Ginmaku
Im Kino Houdini vom 14. bis 17. April
Das Festival Ginmaku präsentiert zeitgenössisches Filmschaffen aus Japan, das bei uns ansonsten nicht im Kino läuft. An dieser Stelle empfehle ich:
The Whispering Star: Ein schwarzweisser Science-fiction-Streifen vom selben Regisseur, der das völlig durchgeknallte Hip-Hop-Musical Tokyo Tribe gemacht hat.
Tama Gra Kodomo Anime: Ein Programmblock mit kurzen Animationsfilmen. Ohne Worte, aber mit einem Überschwang an Fantasie. In „Kaiju Bath“ zum Beispiel geht ein Mann mit Zitronenkopf ins Badehaus und wirft aus Versehen einen Sellerie ins Wasser — daraus wächst ein riesiges blaues Monster, das eine halbe Stadt in Schutt und Asche legt.
Mehr Tipps findet ihr in meinem Züritipp-Artikel zum Festival.

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