Filmstelle: Grizzly Man

Kommenden Dienstag zeigt die Filmstelle Werner Herzogs Grizzly Man. Persönlich hab ich den Film noch nicht gesehen, aber erstens ist er von Werner Herzog und zweitens geht es darin um einen kanadischen Jäger, der von einem radioaktiv verseuchten Bären gebissen wird und gegen das Verbrechen kämpft (hat mir mein Gärtner erzählt).
Ausserdem gibt es Vodka-Bärchen, eine Einfährung durch den Bärenexperten David Bärtner Bittner sowie den Vorfilm Teddy has an Operation von Ze Frank — den hab ich schon mal gesehen und ich bin sehr gespannt darauf, wie das Publikum reagiert.

Was: Grizzly Man
Wann: Di 3. Mai um 20 Uhr
Wo: Stutz2
Offizielle Website der Filmstelle

Fumetto 2016: Spielzeug aus Karton und animierte Karpfen

Letzten Sonntag ging also wieder das Internationale Comix-Festival zuende. Selbiges versucht, die Durchschnittsbevölkerung für Comics zu interessieren, indem es den Umweg über die Kunstvermittlung macht. Hier meine kleine Nachlese zum Festival: Was mir geblieben ist, welche Künstler ich weiterempfehle, und so weiter.

Mein persönliches Highlight war sicherlich die Seico©-Spielzeugfabrik. Kunststudenten der Hochschule Luzern haben diese zur Gänze aus Karton gebaut: Wände, Möbel, Werkzeuge, etc. Und das ganze Spielzeug war ebenfalls aus Karton. Ein tolles Gesamtkunstwerk, das man in der Form nur am Festival selbst erleben konnte. Immerhin, sämtliche der gebastelten Gegenstände wurden auch versteigert – ich bot (erfolglos) für ein Sägeblatt und ein Notausgang-Schild.
Update: Zumindest das Sägeblatt hab ich dann doch bekommen!

Sonntagmorgen wars regnerisch und arschkalt – und weil kein Mensch da war, der die Tür zum Masenliebhabersaal aufgemacht hätte, mussten wir draussen herumstehen. Mitsamt dem Comickünstler, der dort eigentlich seinen Vortrag halten sollte. Anscheinend war der verantwortliche Mensch bei einer Beerdigung, während sich sein Ersatz die Uhrzeit falsch gemerkt hatte.
Jedenfalls hat’s irgendwann geklappt und Tom Gauld erzählte von seiner Arbeit. Der Brite zeichnet Cartoons für den New Yorker und den Guardian, zudem hat er einige Bücher veröffentlicht (bisher kannte ich Goliath) — uns hat er zudem Ausschnitte aus seiner kommenden Veröffentlichung Mooncop gezeigt („Es ist ähnlich wie Kubricks ‚2001: A Space Odyssey‘, aber ohne das Drama.“).
Zeichnerisch sind seine Arbeiten extrem simpel, er selbst spricht von einem Stil, der sich an Diagramme oder Strassenschilder anlehnt. Den Humor zieht er dann auch gerade daraus, dass seine Figuren und Szenarios auf das Minimalste reduziert sind.
Nebenbei hat er einen tollen Tipp dafür, wenn man Ideen zu einem Thema sucht: „Man kann sich einfach überlegen: Was wäre das exakte Gegenteil davon?“

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Das „je ne sais quoi“ der Avengers

Warnung: Nicht, dass wir irgendwas spoilern würden, das wirklich Belang hat — aber ja, wir sprechen zum Teil über die Handlung. Weiterlesen auf eigene Gefahr. Keine Haftung bei Haareraufen.

Civil War ist weniger Captain America und mehr Avengers, mit der Konzentration auf das Ensemble. Was ich aber super finde: Kein Hulk. Der ist halt ein ziemliches one-trick pony.
Es fehlt mir ein wenig das je ne sais quoi des ersten Avengers, der Humor, der Esprit. Civil War ist aber definitiv besser als Avengers: Age of Ultron, wenn man die Filme in normativen Begriffen verlgeichen will.

Ansonsten legen die Filmemacher dieses Mal den Fokus auf das Männerdrama: Captain America (Chris Evans) und der Winter Soldier (Sebastian Stan) — sein Jugendfreund und ehemaliger Kriegskumpan. Bucky fühlt sich schuldig, weil er unter der Hirnwäsche Schreckliches getan hat – und Cap versucht ihn trotzdem gegen alle Welt zu verteidigen. Wenn es sein muss, auch gegen Iron Man (Robert Downey Jr.).
Denn ja, da ist diese Idee von: Iron Man plus Konsorten gegen Captain America und Konsorten. Superhelden gegeneinander aufbringen, das ist schon etwas vorhersehbar. Dabei ist von Anfang an klar, dass die beiden Fraktionen irgendwann merken, dass es völlig idiotisch ist, wenn sie gegeneinander kämpfen. Iron Man und Captain America sind ja beide Helden, sie wollen im Grunde das Gleiche. Die Wandlungen und Meinungsumschwünge gehen dann zum Teil extrem schnell, gerade dafür, dass der Fokus derart auf der Charakterentwicklung liegt.

Die Ensemble-Schlacht fällt für mich etwas flach: Es gibt zu viele Schnitte, die Kameraarbeit ist zu verwackelt – das konnte man nicht auskosten. Lässig wären die Kampfchoreographien ja, aber: We never get so see them!
Es gibt ein paar sehr geile Actionszenen, wie die Verfolgungsjagd mit Black Panther (Chadwick Boseman), der es auf den Winter Soldier abgesehen hat. Den möchte er ja umbringen, weil er ihn für den Tod seines Vaters verantwortlich macht: Der alte Mann hat das Abkommen ausgehandelt, das die Avengers unter Beaufsichtigung der Vereinten Nationen stellen soll. Denn nach all den Kollateralschäden der letzten Jahre ist klar: Da muss man was machen. Das findet auch Iron Man. Captain America wehrt sich allerdings gegen den Einfluss der Politik.

Jedenfalls hilft es Cap nicht, als ein Treffen der Vereinten Nationen Ziel eines Bombenanschlages wird – und man den Winter Soldier, seinen Kumpel Bucky, als Täter identifiziert. Black Panther will sich nun also am Vatermörder rächen, Captain America will ihn lebend festnehmen. So jagen sie sich gegenseitig, während gleichzeitig diese Geschichte mit dem Bösewicht (Daniel Brühl) abläuft, der es auf die Avengers abgesehen hat und sie gegeneinander ausspielt.
Brühl geht als Bösewicht einigermassen, hat aber auch nicht die gleiche Ausstrahlung wie andere movie villains. Da werden Erwartungen hochgeschraubt, die sich am Ende ein wenig antiklimaktisch entladen.

Übrigens, die Romanze! Zwischen Captain America und der Nicht von Peggy Carter, von der wir ja erst jetzt wissen, dass sie ihre Nichte ist. Also Sharon (Emily VanCamp). Wenn sie nun den Captain küsst, den ehemaligen Freund ihrer verstorbenen Tante, das mutet schon ein wenig inzestuös an. Dankbarerweise dauert das aber auch nur sehr kurz an.

Das alles heisst jetzt nicht, dass der Film schlecht wäre. Als Unterhaltung sind ja sämtliche Marvelfilme grandios. Unsere ganzen Darlings wieder zu sehen: toll! Die Schauspieler sind ja auch brauchbar. Iron Man ist weniger snarky als auch schon, dafür haben wir jetzt als comic relief Ant-Man und Spider-Man – denn Insekten sind ja witzig.
Aber am Ende fehlt eben doch der x factor.

Captain America: Civil War
USA 2016, 147 Min.
Regie: Anthony & Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely (nach Joe Simon, Jack Kirby & Mark Millar)
Mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Sebastian Stan, Chadwick Boseman, Daniel Brühl, Scarlett Johansson et al.

 

Die schlimmen Witze von Jimmy Carr

Der Kniff von Jimmy Carr besteht darin, aufzutreten wie ein britischer Gentleman – dann aber die schlimmstmöglichen Witze zu erzählen. Je obszöner und asozialer, desto besser. Am 17. April kam der englische Komiker mit seinem aktuellen Programm nach Zürich, „Funny Business“ heisst es. Grund genug, um sich ein paar Gedanken über Humor zu machen.

I like those black-and-white films where no one says anything: interracial porn.

Trotz Nieselwetter und Kälte: Vor dem Volkshaus bildet sich eine lange Schlange (nicht, weil’s noch Tickets gäbe, sondern weil freie Platzwahl herrscht). Die Hütte ist derart voll, dass man für ein Bier zwanzig Minuten ansteht. Erwartungsgemäss hat’s haufenweise Leute aus der angelsächsischen Welt, vor allem Briten. Aber Carr ist schon seit fünfzehn Jahren aktiv und gehört zu den Erfolgreichsten seiner Zunft, das hat sich inzwischen auch unter den Schweizern herumgesprochen – da dürfte nicht zuletzt YouTube geholfen haben (ich selbst bin ja auch dort auf ihn gestossen).

Der Abend fängt mit leichter Verspätung an, aber dafür entschuldigt sich Carr auch höflichst. Und er witzelt gleich los, zum Beispiel über den Kinderumzug (der an eben jenem Sonntag stattfand, wie immer am Tag vor dem Sechseläuten): „It’s like a parade for pedophiles!“

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Ein Monster im Badehaus: Die Kinostarts vom 14. April 2016

The Jungle Book
Von Jon Favreau
USA 2016, 105 min.
Das Zeichentrick-Musical von 1967 in einen Realfilm zu übersetzen, ohne die veränderten Bedingungen des Mediums zu beachten, war ein schwerwiegender Fehler. Slapstick und exaltierte Stimmenarbeit funktionieren im Cartoon hervorragend — macht man dasselbe innerhalb den Grenzen unserer Realität, fällt alle Glaubwürdigkeit in sich zusammen.
Oder anders gesagt: Ben Kingsleys ausdrucksvolle Stimme passt nicht zum ausdruckslosen Antlitz des computeranimierten Panthers Bagheera. Selbst die grauenhaften Realfilme um Garfield, die Schlümpfe oder Alvin und die Chipmunks funktionieren da besser, da sie das Cartooneske der Figuren ansatzweise beibehielten (das Grundproblem bleibt sich freilich hier wie dort dasselbe).
Mitunter hat das Übersetzungsproblem in „The Jungle Book“ bizarre Folgen: So begegnet der kleine Menschenjunge Mowgli (Neel Sethi) auch hier Kaa, der Schlange (gesprochen von Scarlett Johansson), die ihn hypnotisiert. Konnte der Zeichentrickfilm das noch sehr deutlich mit einem geringelten Hypnose-Effekt darstellen, so schwappt bei Realfilm-Kaa kurz ein Farbschleier über die Augen — was innerhalb unserer Realität keinen Sinn ergibt und dazu noch kaum von jemandem als Hypnose erkannt werden dürfte, der den Trickfilm nicht gesehen hat.
Positiv kann man dem neuen „Jungle Book“ nur anrechnen, dass mit Neel Sethi tatsächlich mal wieder ein Mensch mit brauner Haut die Hauptrolle in einem Hollywoodfilm bekommen hat. Eine andere Geschichte ist, dass nun ein kleiner Junge anderthalb Stunden lang fast nackt durch den Film rennt.

 
Hardcore Henry
Von Ilya Naishuller
USA/Russland 2015, 90 min.
Vollständig aus der Perspektive des Helden gedreht, erzählt „Hardcore Henry“ von einem Kerl, der zum Cyborg umgebaut und von einem Bösewicht mit psychokinetischen Superkräften gejagt wird. Eine Hommage an Videospiele im Allgemeinen und Egoshooter im Besonderen, ist der Film ultrabrutal und voller bizarrer Ideen. Und mir ist kein anderes Projekt bekannt, das das Stilmittel der Egoperspektive mit derart spektakulären Ergebnissen umsetzt — alle paar Minuten hab ich mich gefragt: „Wie zum Teufel haben die das gemacht?“
Anders gesagt: „Hardcore Henry“ ist einer der besten Actionfilme aller Zeiten und ein Meilenstein der Filmgeschichte.
Ehrensache also, dass der Schweizer Verleih nur die miserable deutsche Synchronfassung in die Schweizer Kinos bringt. Na herzlichen Dank auch.
Hier gibt’s meine Züritipp-Kritik zum Film.

 
Ginmaku
Im Kino Houdini vom 14. bis 17. April
Das Festival Ginmaku präsentiert zeitgenössisches Filmschaffen aus Japan, das bei uns ansonsten nicht im Kino läuft. An dieser Stelle empfehle ich:
The Whispering Star: Ein schwarzweisser Science-fiction-Streifen vom selben Regisseur, der das völlig durchgeknallte Hip-Hop-Musical Tokyo Tribe gemacht hat.
Tama Gra Kodomo Anime: Ein Programmblock mit kurzen Animationsfilmen. Ohne Worte, aber mit einem Überschwang an Fantasie. In „Kaiju Bath“ zum Beispiel geht ein Mann mit Zitronenkopf ins Badehaus und wirft aus Versehen einen Sellerie ins Wasser — daraus wächst ein riesiges blaues Monster, das eine halbe Stadt in Schutt und Asche legt.
Mehr Tipps findet ihr in meinem Züritipp-Artikel zum Festival.