Fukushima und Seelenfrass: Die Kinostarts vom 23. März 2016

Grüsse aus Fukushima
Von Doris Dörrie
Deutschland 2016, 108 Min.
In meinem geistigen Büromöbel hatte ich Doris Dörrie bisher im Fach „seichtes Frauenzeugs“ abgelegt, was sich nun aber als völliger Blödsinn herausgestellt hat: Die Regisseurin und Schrifstellerin kann was, aber so richtig. Ihre Filme Männer, Nackt und Hanami – Kirschblüten sind toll, ebenso der Roman Das blaue Kleid oder ihre Kurzgeschichten (ich habe mich durch die Sammlung Mitten ins Herz gelesen). Dörrie schreibt über Beziehungen und Sinnfragen — aber wo schlechte AutorInnen auf Kalendersprüche kommen, legt die Frau eine bissige (Selbst-)Ironie an den Tag.
Grüsse aus Fukushima ist nun eine Auseinandersetzung mit der Katastrophe in Japan. (Dörrie verbindet eine lange Geschichte mit dem Land.) Wo ein Film wie Der grosse Sommer in erbaulicher Völkerverständigung schwelgt, nimmt Dörrie Klischees auseinander: Eine Deutsche (Rosalie Thomass) geht nach Japan, um den Katastrophenopfern zu helfen, merkt aber schnell, dass ihr Einsatz ziemlich sinnlos ist. Da hilft sie einer alten Geisha (Kaori Momoi) dabei, ihr zerstörtes Haus wieder aufzubauen.
Die Ruhe der Inszenierung, die Nähe zum Dokumentarfilm, der Konflikt zweier eigenwilliger Frauenfiguren: Grüsse aus Fukushima rockt.

 
Batman v Superman: Dawn of Justice
Von Zack Snyder
USA 2016, 151 Min.
Herr im Himmel! Selbst im durchschnittlichen Bibelfilm wird weniger von Gott gefaselt als hier. Brettmensch vs Suppenmann macht weiter, wo Man of Steel aufgehört hat, denn es gibt immer noch genügend 9/11-Anspielungen, um damit gefühlte fünf Stunden Laufzeit zu füllen. Dazu einfach mal graubraunes Elend drüberschmieren, passt schon. Denn wehe, das Publikum hat auch bloss eine Sekunde lang Spass.
Immerhin: Man lernt Man of Steel dafür zu schätzen, dass der Film keinen Jesse Eisenberg hatte, der Lex Luthor als manischen Zappelphilipp spielte. Anders gesagt: Kein Moment, in dem Eisenberg zu sehen ist, ist auch nur ansatzweise erträglich. Diese Performance wird in die Kinogeschichte eingehen.

 
Reprise: The Shining
Von Stanley Kubrick
USA 1980, 128 Min.
Jack Nicholson als Familienvater, der sich mit Frau und Kind in ein einsames Hotel zurückzieht und dann dem Wahnsinn anheim fällt. Ein Horrorfilm mit Untertönen schwarzen Humors und Kubricks unbedingtem Stilwillen — doch, doch, kann man sich immer wieder ansehen.
The Shining läuft im Filmpodium in der Reihe Menschen im Hotel.
Apropos Jack Nicholson: Das Xenix zeigt demnächst eine Reprise seines Frühwerks.

 
Reprise: Angst essen Seele auf
Von Rainer Werner Fassbinder
Deutschland 1974, 87 Min.
Eine alte Deutsche verliebt sich in einen jungen Einwanderer — der Aktualitätsbezug ist mit Händen zu greifen. Vor vierzig Jahren waren die Menschen auch nicht weniger rassistisch. Fassbinders karge Inszenierung erstickt aber jede Betroffenheitsschwulst im Keim.
Angst essen Seele auf läuft im Xenix in der Reihe Fernweh — Weltmotor Migration.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s