Valérian et Laureline, Teil 2: Das Grunztier und der Schnarf

Falls ihrs verpasst habt: Hier ist Teil 1

Die Kreise der Macht/Les cercles du pouvoir (Bd. 15, 1994)

Zuletzt haben wir uns Im Reich der tausend Planeten (Bd. 2, 1971) angeschaut. Machen wir einen Zeitsprung von 23 Jahren! Zunächst einmal fällt auf, dass das Titelbild zu Die Kreise der Macht (Bd. 15, 1994) verdammt vertraut wirkt — und das ist kein Wunder, denn der Zeichner Jean-Claude Mézières hat hier Designs verbraten, die er 1991 für Luc Bessons The Fifth Element entwarf. Als es mit dem Film endlich klappte (anno 1997), übernahm wiederum Besson Elemente wie das fliegende Taxi.

Apropos Mézières: Als zweites fällt auf, dass sich sein Zeichenstil im Laufe von zwei Jahrzehnten dann doch ein wenig verändert hat. Weg vom französischen Funnystil, dafür in Richtung des Realismus à la amerikanischer Superheldencomics. Mézières Strich ist leichtfüssiger geworden (im nächsten Band – siehe weiter unten – driftet er sogar fast schon ins Skizzenhafte ab).

Valerian und Veronique landen auf Rubanis, um ihr Raumschiff reparieren zu lassen – aber die alte Schüssel ist derart kaputt, dass das ein Vermögen kosten würde. Da kommt der Auftrag gerade recht, den ihnen die Shinguz (drei zwergehafte Rüsselvögel) herantragen: Colonel Tiloc, zurzeit der Polizeichef von Rubanis, stellt sie als Spione an. Unsere beiden Helden sollen für ihn auskundschaften, was im Kreis der Macht vor sich geht.
Dazu muss man Wissen: Rubanis ist in Kreise eingeteilt (so wie Zürich). Da gibts zum Beispiel den zweiten Kreis, wo die Geschäftswelt logiert: „Hier schiesst man sich wegen der geringsten Kleinigkeit über den Haufen!“ Zudem gibts regelmässig Kurseinbrüche an der Börse, woraufhin die Geschäftsleute massenhaft in den Selbstmord springen.

Aus dem Kreis der Macht wird theoretisch ganz Rubanis regiert, allerdings gibts schon eine Weile keine Wortmeldung aus dem Gebiet. Als Vorauszahlung bekommt Veronique einen Grunztier-Transmutator von Bluxte geschenkt – ein kleines pelziges Tierchen, dem man allerlei Edelsteine verfüttern kann. Daraufhin kackt es beliebig viele Kopien.
Bei ihrer Mission erhalten Valerian und Veronique Schützenhilfe von S’Traks, einem Taxipiloten (der allerdings ein Auge auf das Mädel wirft, sehr zum Unmut von Valerian). Weniger hilfreich ist Na-Zultra, eine knallharte Lady im schwarzen Lederdress (nur echt mit hochhackigen Stiefeln). Eine auffällige Kriebsbemalung im Gesicht und eine abenteuerliche Frisur auf dem Kopf (rote Haare!), handelt es sich bei ihrer favorisierten Handwaffe um eine Verdummungspeitsche von Phum (halt eine Peitsche mit Hypnosefunktion).
Na-Zultra entführt Veronique und bringt sie in den Kreis der Macht, woraufhin Valerian und S’Traks alles tun, um sie zu befreien.

Nebenbei gehts dann um irgendwelche Fernseher, die die Zuschauer so weit verdummen, dass ihre Köpfe schrumpfen. Alle Achtung, dieser Band ist höllisch unterhaltsam — nicht zuletzt, weil Veronique einige gute Gags bekommt (siehe Bildausschnitt oben).

 
Im Bann von Utralum/Otages de l’Ultralum (Bd. 16, 1996)

Valerian und Veronique machen Urlaub in einem Luxushotel auf irgendeinem Wasserplaneten (auch das ist wieder sehr The Fifth Element). Unsere Dame trägt knappe Kleidchen spazieren (Valerian: „So entzückend wie damals, als du völlig blank in deinem durchlöcherten Raumanzug stecktest!“), der Gentleman hingegen regt sich über den Grosskalif von Iksaladam auf, weil dieser mitsamt seinem Harem im Hotel herumflaniert (etwas verklemmt, unser Held).

Da wird ausgerechnet der kleine Sohn des Kalifen entführt, und zwar vom sogenannten Quatuor Mortis („Mörderquartett“) mithilfe einer lebenden Waffe, nämlich einem Schnarf. Das ist ein kleines Alien, das Laserstrahlen spuckt und ständig „Schnarf“ sagt. Im Laufe der Handlung bleibt uns das kleine Mistvieh als comic relief erhalten – wundervoll.
Der Sohn des Kalifen ist übrigens auch ein wahrer Wonneproppen, der sich ständig irgendwelche Streiche ausdenkt.

Jedenfalls ist es unglücklichen Umständen zu verdanken, dass Veronique zusammen mit dem kleinen Prinzen entführt wird (ihr passiert sowas häufiger, scheint mir). Valerian erhält also Grund zur Aktion: „Ich werde diesen Knaben schon finden, denn ich will meine Veronique wiederhaben!“
Dazu tut er sich mit einer Alien-Dame zusammen — die Entführer haben ihr Raumschiff zur Flucht geklaut. Zwar kann sie Menschen auf den Tod nicht ausstehen, aber man arrangiert sich halt.
Zunächst führt die Spur der Bösewichte nach Central City, einem künstlichen Planeten mit Abgesandten aus dem ganzen Universum, und schliesslich zu einem Planeten, wo Ultralum gefördert wird (man beachte den Titel). Sogenannter Ultra-Luminoser Brennstoff ist das Zeug, mit dem Rauschmiffe und -stationen betrieben werden – und die bedeutendsten Vorkommen gehören zufälligerweise dem Kalifen von Iksaladam. The plot thickens!

Im Bann von Ultralum ist eine zwiespältige Angelegenheit. Man bekommt den Eindruck, Mézières und Christin seien aufs Alter hin notgeil geworden, denn Veronique wird hier doch auffällig sexualisiert. Entweder läuft sie leichtbekleidet herum, wird vollgeschleimt oder duscht zusammen mit ihrem Haustier („ganz nackt“, wie sie dem kleinen Grunzer gegenüber betont).
Und eben, die verdammten comic reliefs überall (vom Doppeldetektiv des Hotels oder von den drei Shinguz hab ich noch gar nicht angefangen). Dann doch lieber Die Kreise der Macht.

 
Valerian and the City of a Thousand Planets

Der Filmtitel erinnert natürlich an Im Reich der tausend Planeten, aber die Inhaltsangabe klingt dann doch ein wenig anders:

Im 28. Jahrhundert sorgen der Spezialagent Valerian (Dane DeHaan) und seine neue Partnerin Laureline (Cara Delevingne) für Recht und Ordnung in der gesamten Galaxis. Ihr neuester Auftrag, den sie von ihrem raubeinigen Kommandanten (Clive Owen) bekommen, führt die beiden ungleichen Gesetzeshüter in die gigantische Metropole Alpha, in der unzählige unterschiedliche Spezies aus verschiedensten Teilen des Universums zusammenleben. Mit der Zeit haben sich die Bewohner der Stadt einander so weit angenähert, dass sie all ihr Wissen vereint haben und dies zum Vorteil für alle nutzen. Allerdings kann sich längst nicht jeder mit den herrschenden Verhältnissen anfreunden. Einige schmieden insgeheim Pläne, die nicht nur Alpha, sondern die gesamte Galaxis ins Chaos stürzen könnten. Valerian und Laureline setzen daher alles daran, um das drohende Unheil abzuwenden.
Pathé Entertainment

„Metropole Alpha“ klingt doch ziemlich nach „Central City“. Ich nehme an, Besson greift sich nach Belieben aus der Comicserie, was er brauchen kann. Basiert der fertige Film nur lose auf den Comics, wäre das jedenfalls keine grosse Überraschung. Mehr werden wir dann wissen, wenn das Ding ins Kino kommt.

Was bleibt zu sagen? Es gibt anscheinend immer noch Leute, die Dane DeHaan für einen leading man halten (ich hab mich ja schon einmal sehr darüber gewundert).
Aber wenn jemand aus dem Comic einen guten Film machen kann, dann Luc Bessons – bei The Fifth Element hat er’s ja schon einmal geschafft.

 
Facebook-Seite zum Film
Webseite von Jean-Claude Mézières

Valérian and Laureline
Frankreich
Die Kreise der Macht/Die Kreise der Macht/Les cercles du pouvoir (Bd. 15, 1971)
Im Bann von Ultralum/Otages de l’Ultralum (Bd. 16, 1996)
Texte: Pierre Christin
Zeichnungen: Jean-Claude Mézières
Verlag: Carlsen Comics

 
Hier gehts zu Teil 1

Nachtrag 25/6/17: Stefan Rose von Fliegende Bretter hat ebenfalls einen Beitrag über Valérian und Laureline geschrieben (und ist dabei anscheinend auf meinen Artikel gestossen): Déjà-vu cinematographique
Rose geht auf französische Frivolität ein sowie auf den Einfluss, den die Comicserie auf George Lucas und dessen Star Wars hatte.
Und wenn wir schon dabei sind: Inzwischen sind Trailer zum Film online.

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