Berge und Cyborgs: Die Kinostarts vom 18. Februar 2016

 
Virgin Mountain (Fúsi)
Von Dagur Kári
Island/Dänemark 2015, 117 Min.
Fúsi (Gunnar Jónsson) ist gebaut wie ein Berg und hatte noch nie Sex, deshalb Virgin Mountain. Zudem wohnt er noch immer bei seiner Mutter. Da schenkt ihm deren Freund einen Line-Dance-Kurs zum Geburtstag, damit Fúsi häufiger aus dem Haus kommt (und die beiden Alten ungestört ficken können).
Fúsi gibt einen feuchten Dreck aufs Tanzen, aber er lernt dabei Fjóla (Margrét Helga Jóhannsdóttir) kennen, die sich mit ihm anfreundet. Selbstverständlich verliebt er sich in sie, mit absehbaren (und weniger absehbaren) Folgen.
Apropos absehbare Folgen: Nicht nur mit Fjóla, sondern auch mit einem Nachbarsmädchen verbringt Fúsi zunehmend Zeit. Die Kleine interessiert sich für sein Zweite-Weltkriegs-Miniaturen-Spiel, im Gegenzug spielt er mit ihr Barbie. Ein erwachsener Aussenseiter und ein kleines Mädchen machen Sachen zusammen? Ja, das endet ungefähr so, wie man es sich vorstellt.
Virgin Mountain ist so eine typische Feel-Good-Komödie, in der ein Verlierer lernt, sich endlich durchzusetzen. Kein Meisterwerk, aber ein netter Film.

 
Zoolander 2
Von Ben Stiller
USA 2016, 102 Min.
Der erste Teil war seinerzeit kein finanzieller Hit, hat sich über die Jahre aber zum Kultfilm gemausert. Zoolander (2001) dreht sich um das gleichnamige Männermodel (Ben Stiller), welches in ein Mordkompltt verwickelt wird: Der Modedesigner Mugatu (Will Ferrell) plant die Ermordung des malaysischen Präsidenten, denn der hat sich dem Kampf gegen Kinderarbeit verschrieben. Zoolander wird von ihm gegen seinen Willen zum Schläfer programmiert, findet aber Hilfe bei der „Time“-Journalistin Matilda (Stillers Ehefrau Christine Taylor) und seinem grössten Konkurrenten auf dem Laufsteg, Hansel (Owen Wilson).
Der Film hat so seine Probleme (Zoolanders love interest Matilda z.B. ist extrem langweilig), aber auch einen schrägen Charme und einige grandios witzige Szenen — die Episode an der Tankstelle beispielsweise ist auch heute noch zum Brüllen komisch.
Das zu wiederholen zu wollen, was vor fünfzehn Jahren gerade so geklappt hat, war natürlich eine blöde Idee. Zoolander 2 ist nicht wirklich ein schlechter Film, wirkt aber doch merklich bemühter als der Vorgänger. Und gewisse Gags, die man dem ersten Teil noch verzeihen kann, weil die Menschen anno 2001 anders tickten, kommen heute doch arg vorgestrig rüber (ja, ich spreche von Benedict Cumberbatchs Auftritt als geschlechtslosem Model).
Die Handlung ist nicht der Rede wert: Zoolander und Hansel kehren nach Jahren des Exils ins Rampenlicht zurück und geraten prompt in ein Komplott, das sich wiederum Mugatu ausgedacht hat (Achtung, Spoiler). Immerhin, Will Ferrell ist fantastisch in der Rolle.
Anmerkung am Rande: Gleich zu Beginn des Films macht sich Ben Stiller über 9/11 lustig. Die Rache dafür, dass der Anschlag damals die Kinoauswertung des ersten Teils abgewürgt hat?

 
Colonia
Von Florian Gallenberger
Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015, 110 Min.
Paul Schäfer war ein deutscher Sektenführer, der in Argentinien die sogenannte Colonia Dignidad errichtete, eine Kolonie seiner Anhänger mitten im Urwald, umgeben von Mauern und Stacheldraht. Schäfer paktierte mit Pinochet und half dessen Schergen dabei, Gegner des Systems zu foltern.
Dieser Film ist den realen Opfern gewidmet, die Handlung ist jedoch an den Haaren herbeigezogen: Der deutsche Fotograf Daniel (Daniel Brühl) wird als Allende-Anhänger verhaftet und an Schäfer ausgeliefert. Seine Freundin Lena (Emma Watson) versucht ihn zu befreien, indem sie vorgibt, sich der Sekte anzuschliessen.
Man hätte über die Colonia Dignidad ein subtiles Sektendrama drehen können, doch Regisseur Gallenberger und sein Drehbuchkomplize Torsten Wenzel haben sich für pure Exploitation entschieden. Da geilt sich der Film an Folterszenen und am Verprügeln von Frauen auf, oder spielt Brühls Figur eine geistige Behinderung vor. Ein billiges Klischee jagt das nächste und am Ende ist nur eines unterhaltsam: Dass alle deutschen Figuren Englisch mit verschiedenen Akzenten sprechen.

 
Reprise: I’m a Cyborg, But That’s OK
Von Park Chan-wook
Südkorea 2006, 107 Min.
Eine Liebesgeschichte für die Ewigkeit: Das Mädel hält sich für einen Roboter, der Junge meint, er könne die Persönlichkeiten und Fähigkeiten anderer Menschen übernehmen. Die beiden finden sich in einer Nervenklinik und am Ende muss der Junge das Mädel retten.
Ein durchgeknallter, surrealer Bildersturm vom selben Typen, der auch Oldboy und Snowpiercer gemacht hat. Romeo & Juliet (egal welche Version) ist ein Kack dagegen.
Der Film läuft am 19. und 20. Februar um 23.20 Uhr im Xenix.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s