MadC 3: „Rimbaud #4“ von Pilz/Ruby/Weber/Brochier


Meine Güte, was ist das denn? Es hört sich ungelogen an, als hätte man die Instrumente und die Sängerin eine Treppe hinuntergestossen und das Ergebnis aufgenommen. Oder dann wieder, als sei die ganze Band von einem Wirbelsturm aufgesogen worden. Es gibt aber auch ruhigere Momente, in denen wohl die Musiker am Morgen aus dem Bett tappen und über ihre Instrumente stolpern. Die Sängerin wiederum hält abwechselnd eine Lesung und gerät in Ekstase, als sei Pazuzu in sie gefahren.

Experimentaljazz ist das wohl. Die Schauspielerin/Sängerin Élodie Brochier interpretiert Gedichte von Arthur Rimbaud (auf Deutsch übersetzt, vereinzelt im französischen Original). Drei Musiker improvisieren dazu:
George Ruby (p)
Michel Pilz (bcl)
Daniel „D-Flat“ Weber (dr, perc)

Schon klar, das hat ein bisschen was von Hurz!, aber ehrlich gesagt, ich mag Hurz! — eben nicht als Verarschung von Kunstzeug, sondern als eigenständiges Werk. In den besten Momenten ist Rimbaud #4 wie ein durchgeknalltes Hörspiel, das nicht zuletzt von Rimbauds Texten profitiert:

Stemm mit deiner verdörrten Faust den Sargdeckel hoch
Lass dich ruhig nieder und ersticke
So ersparst du dir das Alter und alle Gefahren

Weniger zugänglich sind Satzfetzen wie: „Die Dunkelheit kann auf, wild pochendes Aquarium.“ Ich habe keine Ahnung, was um alles in der Welt das heissen soll, aber verdammt nochmal, ich liebe es.

Hurz!-Faktor: 86%

Eintrag auf der Seite des Labels

Was ist Musik aus dem Container eigentlich? Klick hier für die Erklärung.

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