ZFF 2015: Nachlese

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Meine Güte, das ZFF ist ja auch schon wieder vorbei. Am schönsten daran: Wir müssen den gottverdammten Festivaltrailer ein Jahr lang nicht mehr sehen. Bitte, bitte, liebes ZFF, tu uns allen einen Gefallen und lass dir für 2016 einen neuen produzieren.

Die grosse Neuerung im Festivalzelt war ein Roulettetisch, betrieben von den Swiss Casinos. Wahrscheinlich hat sich irgendwer von der Festivalleitung gesagt, das Zurich Film Festival sei den Leuten noch viel zu sympathisch. Aber liebes ZFF: Du verkaufst Taschen für knapp 900 Franken. Champion der Herzen wirst du bestimmt nicht mehr.

Doch statt über Trailer und Roulette zu stänkern, wollen wir lieber die Filme feiern. Im Wettbewerb sahen wir Deep Web, „ein Dokumentarfilm, der Licht in die digitale Tiefsee zu bringen versucht“. Oder Krigen, Tobias Lindholms Beitrag zum dänischen Kriegseinsatz in Afghanistan — eine Analyse in Spielfilmform.

Neue Welt Sicht: Iran präsentierte uns das zeitgenössische Kino aus dem krisengeschüttelten Land, darunter Risk of Acid Rain, das poetische Porträt eines einsamen alten Mannes. Es müssen aber nicht nur Problemfilme sein: Fish & Cat ist ein surrealer Thriller, gedreht in einer einzigen Einstellung.

In den Gala Premieren und Special Screenings hatten wir schlechtes Zeug wie The Little Prince oder Life und vergessenswerten Durchschnitt wie Dürrenmatt — Eine Liebesgeschichte — aber auch tolle Sachen wie Alejandro Amenábars Okkulthorror Regression, Denis Villeneuves Drogenthriller Sicario oder das Radsport-Dopingdrama The Program.

Der coolste Typ des Festivals war Fedor Alexandrovich, Hauptfigur des Dokumentarfilms The Russian Woodpecker. Darin untersucht der ukrainische Künstler die Ursachen des Tschernobyl-Desasters (das er als Kind selbst miterlebt hat) und kommt auf seine ureigene Verschwörungstheorie. Wirre Haare, nervöse Zuckungen, eigenwillige Gedankengänge und ein ebenso eigenwilliger Umgang mit der deutschen Sprache: „Ich will sehen die toten Land!“ – Alexandrovich war spannender als Christoph Waltz und Arnold Schwarzenegger zusammen.

Nun aber zu den Goldenen Augen, die den Wettbewerbsfilmen zahlreich nachgeworfen wurden.

Die Gewinner

Internationaler Spielfilm-Wettbewerb: Hrútar (Isländisch-dänische Tragikomödie über zwei Schafzüchter-Brüder.)

Internationaler Dokumentarfilm-Wettbewerb: Los reyes del pueblo que no existe (Über die letzten Familien, die in einem mexikanischen Tal die Stellung halten, nachdem es für einen Staudamm überflutet wurde.)

Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich: Thank You for Bombing (Kriegsreporter sind auch nur Schweinehunde.)

Förderpreis: The Miracle of Tekir (Schweizerisch-rumänisches Mysterymärchen über Schlamm und Mutterschaft.)

Kritikerpreis: Pikadero (Wegen der Wirtschaftskrise in Spanien leben alle bei ihren Eltern – wohin soll man denn da für das erste Mal?)

Publikumspreis: Amateur Teens (Schweizer Teens und die Sozialen Medien.)

Die gesamte Liste gibt’s hier.

 
So, liebe Leute, das war’s für dieses Jahr.

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