Keine Narkose dank „Narcos“

„Narcos“ von Netflix 2015, Schlafkritik

Der Drogenkrieg der 80er-Jahre im Gute-Abend-Serie-Kleid. Bisschen Sex, bisschen Gewalt, bisschen Familie, bisschen Pathos. Die Macher dieser Serie sind von der Welt anscheinend gelangweilt. Unglaublich gelangweilt. Pablo Escobar lässt sich verkaufen, wird man sich gesagt haben und hat eine ahistorische, apolitische Serie über ein ziemlich historisches und politisches Thema gemacht.

Es gibt Stimmen, die meinen, das sei propagandistische Geschichtsfälschung. Und es sei doch ziemlich dreist, die unglaublichen Tragödien dieser Jahre zu verwenden, bloss weil man keine Fantasie hat oder nicht weiss, wie das Spanisch kolumbianischer Prägung klingt. Aber auf so eine Debatte würde ich mich gar nicht einlassen. Die Serie hat mit Escobar und Kolumbien ungefähr soviel zu tun wie Kokain mit Tiefschlaf. Es ist eine Art Kolonialserie, wo Geschäftsleute aus den USA Geld damit verdienen, südamerikanische Geschichte als Klischees zu verkaufen.

Zwei amerikanische Volltrottel-Agenten stolpern durch die Gegend und wollen Gutes tun und werden dabei von dem bösen Land böse gemacht. Immer auf der Suche nach dem Darth Vader des Kontinents: „Pablo Escobar“. Die ständigen Hinweise auf mehr oder weniger historische Tatsachen können über die Banalität des Gezeigten nicht hinwegtäuschen. Also eine ideale Serie zum Einschlafen, würde man denken. Bissel Lärm und schöne Frauen auf dem Bildschirm und so träumt man langsam davon.

Aber von wegen! Einerseits muss unbedingt, um den Schockeffekt zu erhöhen, dauernd jemand aus dem Nichts erschossen werden. Wenn man dann wieder etwas aufgewacht ist, diskutiert der damalige Präsident Kolumbiens in billigen Kulissen darüber, dass Politik und seinem Herzen folgen jetzt echt nicht immer so einfach zusammen zu bringen ist – spannend. Und so kommt man zum wirklich Ärgerlichen an dieser Serie. Es ist ja okay, total langweilige Unterhaltung zu machen, gerade zum Einschlafen schätze ich so etwas sehr, oder wenn man gerne zum Schlafen etwas hat, das nebenan brummt.

„Narcos“ aber ist total langweilige Unterhaltung, verpackt in historische Relevanz, die grösstenteils geschichtliche Ereignisse ins Blaue raus interpretiert, um eine Forrest-Gump-Effekt zu erzielen. Und verpackt in soziale Relevanz, weil bei so viel brutaler Gewalt muss es ja eine Ursache geben, ja muss man ja was tun, ja muss es ja eine Ursache geben, ja muss man ja was tun, ja muss es ja eine Ursache geben, ja muss man ja was tun, ja muss es ja eine Ursache geben, ja muss man ja was tun. (usw.) Und so schreckt man im Sinne von „da war doch was“ immer wieder auf, um festzustellen, nein, da war nichts. Nur ein amerikanische Plattform für Filme und Serien, die ganz dringend viele Abonnenten braucht, damit ihr Geschäftsmodel funktioniert. Und totale Leere war noch nie ein gutes Motiv, um einzuschlafen.

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