ZFF 2015: Life, Risk of Acid Rain, The Russian Woodpecker

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Life
Von Anton Corbijn
USA/D/Aus 2015, 110 Min.

1955: Der Fotograf Dennis Stock (Robert Pattison) macht ein Shooting mit dem aufstrebenden Schauspielstar James Dean (Dane DeHaan).

Autsch! Wenn das mal nicht die Fehlbesetzung des Jahrhunderts ist: Dane DeHaan hat weder das Charisma noch dasgute Aussehen von James Dean, dafür zehn Kilo zuviel auf den Rippen. Wenn er eine Brille trägt, wirkt er nerdig statt intellektuell, und die Haartolle schaut an ihm lächerlich aus.
Besonders fatal ist, dass man ihm Robert Pattison gegenüber gestellt hat. Man kann sich über den „Twilight“-Vampir so viel mokieren, wie man will, aber er hat genau die Starqualität, die DeHaan abgeht. Davon abgesehen schlüpft Pattison in seine Rolle wie in eine zweite Haut, während DeHaan eine Karikatur von Deans Manirismen abliefert.

Zugegeben, DeHaan hatte nie eine Chance: Allein schon Deans Aura des frühen Todes macht eine Imitation fast unmöglich. Aber DeHaan war der denkbar schlechteste Kandidat, um es zu versuchen.

In der Reihe Gala Premiere

 
Risk of Acid Rain
Von Behtash Sanaeeha
Iran 2015, 105 Min.

Ein alter Mann sucht nach einem Freund, den er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hat, und reist dafür nach Teheran. Dort lernt er einen Hotelrezeptionisten und eine junge Frau kennen.

Nach der Vorführung gab’s ein kleines Q&A: Maryam Moghadam erzählt, dass sie das Drehbuch zum Film während eines zweijährigen Berufverbots entwickelte, zusammen mit Regisseur Behtash Sanaeeha. Schliesslich hat Moghadam auch die Rolle der jungen Frau übernommen.

Die beiden Filmemacher haben mit ihrem neuen Film erneut die Staatsmacht heraufbeschworen: „Risk of Acid Rain“ ist im Iran gerade erst verboten worden. Nach den Gründen gefragt, ziert sich der Regisseur um eine Antwort. Die Drehbuchautorin meint aber: „Der Vorwurf war, dass der Film von Homosexualität handelt.“ Dabei wird im Film nur ganz subtil angedeutet, dass der alte Mann möglicherweise schwul sein könnte. Eindeutig ist das keinesfalls.
„Eigentlich geht es um die Einsamkeit alter Menschen“, erklärt der Regisseur dann auch. „Das ist ein Prblem, das im Iran immer dringender wird.“

Dieses Problem behandelt Sanaeeha in langen, ruhigen Einstellungen, mit wenigen Darstellern und einem zurückhaltenden Soundtrack. So sehen wir am Angang ganz einfach, wie der alte Mann sein Frühstück zubereitet, lange bevor die Handlung einsetzt. Das „minimalistische Konzept des Films“ (Sanaeeha) macht diesen zu cineastischer Poesie. Passenderweise ist der Hauptdarsteller Shams Langeroodi eigentlich kein Schauspieler, sondern Dichter.

Ein Zuschauer fragt, ob die Zensur im Iran die Filmemacher denn nicht gerade dazu zwinge, poetische Formen zu finden, um ihre Botschaften zu verstecken. Die Drehbuchautorin ärgert sich: „Natürlich kann auch Zensur zu neuen Formen führen. Aber Einschränkungen sind niemals etwas Gutes.“
Der Regisseurs gibt sich etwas versönlicher: „Die Situation im Iran verbessert sich, man sieht die Zeichen. Zurzeit führen wir Verhandlungen, um den Film doch wieder zeigen zu dürfen. Soweit sieht es gut aus.“

In der Reihe Neue Welt Sicht: Iran

 
The Russian Woodpecker
Von Chad Gracia
GB/USA 2015, 82 Min.

Der ukrainische Künstler Fedor Alexandrovich hat als Kind den Super-GAU von Tschernobyl miterlebt. Heute macht er sich auf, um den Ursachen der Katastrophe auf den Grund zu gehen. Welche Rolle spielt die gigantische Duga-Antenne, die in Sichtweite des Atomreaktors liegt?

Zusammen mit dem amerikanischen Regisseur Chad Gracia kam auch Fedor Alexandrovich nach Zürich, um sich nach der Premiere den Fragen des Publikums zu stellen. In Echtfleisch ist er ein ebenso komischer Vogel wie im Dokumentarfilm: nervös und fahrig, mit wilden Haaren und unerwarteten Gedankensprüngen. Zunächst versucht er es auf Deutsch, doch seine Sprachkenntnisse sind arg eingerostet: „Ich will sehen die toten Land!“, sagt er. Keine Ahnung, was er damit meint. Auf Englisch geht’s jedenfalls besser.

Im Film verliert sich Alexandrovich mehr und mehr in seinen Theorien zu den Hintergründen der Atomkatastrophe. Man erlebt mit, wie die überbordende Fantasie des Künstlers und die Geheimniskrämerei des Sowjetsystems eine Verbindung eingehen, die eine abstruse Verschwörungstheorie gebiert (mehr verrate ich an dieser Stelle nicht).

Einmal besucht Alexandrovich das evakutierte Tschernobyl und landet in einem Schulzimmer, dessen Boden von Gasmasken in Kindergrösse übersät ist. Was macht der Ukrainer also? Er wickelt sich in Klarsichtfolie ein und schwenkt eine Fakel. Da klappt einem die Kinnlade runter.
Was zum Teufel hat es damit auf sich? Regisseur Chad Gracia erzählt uns Alexandrovich‘ Forderung an ihn: „Um die Wahrheit zu finden, müssen wir meine Träume nachbauen. Entweder wir machen das, oder es gibt keinen Film.“

Alexandrovich ist ein Verrückter, aber einer, der auf faszinierende neue Ideen kommt. Ein echter Künstler halt. Und er hat ein nachvollziehbares Anliegen: „Es braucht einen Nürnbergprozess für die Verbrechen der Sowjetunion.“ Solange die Taten der Sowjetunion nicht aufgearbeitet würden, lebe das System in den Köpfen der Menschen weiter – zum Beispiel in dem von Putin, der in der Ukraine-Krise bewiesen habe, dass er immer noch in den Grössenordnungen des sowjetischen Imperialismus denke.
Regisseur Gracia betont jedoch: „Das ist kein simpler Film à la Russland gegen Ukraine. Wir wenden uns gegen die sowjetische Mentalität. Und die kann überall lauern.“

Im Internationalen Dokumentarfilm-Wettbewerb

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