Fantoche 2015: Wettbewerbe

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Gregor war am Fantoche, dem internationalen Festival für Animationsfilm. Dort hat er sich viele Wettbewerbsbeiträge angesehen und einige Entdeckungen gemacht. Was hat ihm am besten gefallen?

Unterwegs in Baden. Grad hab ich den Pressepass am Festivalzentrum abgeholt, da fällt mir ein seltsamer Typ auf. Grossgewachsen, Bart und Glatze, das verbliebene Haupthaar zu einem blau gefärbten Zopf geflochten. Wenig später läuft er im Kino Trafo an mir vorbei, wo demnächst ein Block des Internationalen Wettbewerbs läuft — und tatsächlich seh ich ihn im Kinosaal ein drittes Mal. Die Moderatorin begrüsst uns und bittet die anwesenden Künstler, aufzustehen. Zum Beispiel Ivan Maximov, bittesehr. Der Typ mit dem Zopf!

Der Russe Maximov macht grandiose kleine Animationsfilme: Seltsame Gestalten in seltsamer Umgebung machen seltsames Zeug. Auch in Benches No. 0458, wo sich seine Kreaturen in einem Park tummeln. Ein paar davon sitzen mit Angeln um einen Brunnen herum — doch die Fische graben einen Tunnel und machen sich heimlich (wohlgemerkt auf Füssen) aus dem Staub.

Yoriko Mizushiri war mir noch von ihrem Kurzfilm Futon ein Begriff. Auf dem halben Weg zwischen Abstraktion und Sinnlichkeit fasst sie Wohlgefühl in Bilder. Hypnotisch. Und nicht zuletzt sexy. In Maku nun taucht plötzlich dieses Affenwesen auf — brrrr.

Apropos sexy: Ivan’s Need und Don’t Tell Mom aus Japan gehen Sex mit derart viel Humor an, dass ich jetzt noch lachen muss. Das wär mal was für den Aufklärungsunterricht.

Nicht weniger zum Kaputtlachen ist Life with Herman H. Rott von Chintis Lundgren. Eine überordentliche Mietzekatze verliebt sich spontan in eine riesige Ratte mit schütterer Hygiene — und nistet sich ungefragt bei dieser ein. Ein furioses Beziehungsdrama, mitunter überraschend traurig. Und man lernt Tschaikowskis berühmtes Klavierkonzert ganz neu schätzen.

Gewinner des Internationalen Wettbewerbs ist World of Tomorrow von Don Hertzfeldt. Faszinierend: Schon seine ersten Animationsfilme machten ihn zum Kult; für Rejected kriegte er bereits 2000 eine Oscarnominierung; von ihm stammt der beste Simpsons-Couch-Gag aller Zeiten („Vigorously touch flippers!“).
World of Tomorrow schliesslich ist ein Brainfuck erster Kajüte: Ein kleines Mädchen wird von seinem Klon aus der Zukunft in eben jene geholt. Während besagtes Mädchen mit seinem Kleinkinderverstand gar nicht erst versteht, was eigentlich vor sich geht, werden die Erklärungen des Klons abstruser und abstruser. Das Publikum hat gelacht, geweint und das Konzept geistiger Gesundheit in Frage gestellt. Allein dafür hätte sich schon das ganze Festival gelohnt.

Einige der Beiträge werden übrigens an der Best of Fantoche 2015-Tour zu sehen sein.

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