Locarno 2015: Chevalier

Festival del film Locarno 2015C
 
Chevalier
Von Athina Tsangari
Griechenland 2015
99 Minuten

Klar, in den Piazza Grande passen mehr Leute rein — aber mit einer Kapazität von über 3000 Plätzen ist das Fevi die grösste überdachte Spielstätte des Festivals. Jetzt muss man sich vorstellen: Ein gewaltiger Saal mit tausenden von Leuten, die vor Lachen ganz aus dem Häuschen sind. Da bekommt man es fast mit der Angst zu tun.

Die Regisseurin Athina Tsangari („Attenberg“) erzählt eine Geschichte von sechs gestandenen Männern; Freunde und Verwandte, die gemeinsam Ferien auf einer Luxusyacht verbringen. Auf der Rückfahrt nach Athen kommen die Herren auf die Idee für ein Spiel: Jeder von ihnen denkt sich einen Wettbewerb aus, den alle absolvieren müssen. Dazu werden Essmanieren, Unterhosenmode und andere Merkmale beurteilt. Wer bis am Ende am meisten Punkte sammelt, wird zum „Allgemein Besten“ erkoren und gewinnt einen Siegelring (den titelgebenden Chevalier).

Zu Beginn dachte ich, die Geschichte laufe bestimmt auf eine Eskalation des Wettbewerbs hinaus, was mindestens einem Teilnehmer das Leben kostet. Doch dieser billigen Dramaturgie verweigert sich Tsangari, denn damit würde sie ihren Figuren viel zu viel Heroismus zugestehen. Stattdessen macht sie sich gnadenlos über Machismo und Männlichkeitsrituale lustig und legt deren Lächerlichkeit offen.

Da geht es bei dem einen Wettbewerb darum, wer die grösste Erektion hat (natürlich). Einer der sechs bekommt keinen hoch, wewegen er am Boden zerstört ist. Bis er es mitten in der Nacht doch noch hinkriegt und versucht, die anderen aus dem Bett zu holen. Er klopft frenetisch an die Kabinentüren, getrieben von der Angst, wieder zu erschlaffen, bevor die anderen seinen Ständer sehen — während man als Zuschauer hin- und hergerissen ist zwischen Mitleid und Lachkrampf.

 
„Chevalier“ läuft im Internationalen Wettbewerb

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