Theater Spektakel 2015: Dakh Daughters

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Dakh Daughters — Freak Cabaret
Ukraine

Drei Frauen in grünen Putzkitteln treten nach vorne. Ihre Haare schauen unter bunten Kopftüchern hervor, die Gesichter sind zu weissen Fratzen verschminkt.
Die Mittlere spielt Querflöte, dazu singt die rechts eine ukrainische Volksweise. Plötzlich bricht die auf der Linken Seite (die sich bisher wie eine mechanische Puppe um sich selbst drehte) in französischen Hip Hop aus.

Der wilde Wechsel und die Durchmischungen der Musikstile verblüfft immer wieder aufs Neue. Die Dakh Daughters, hervorgegangen aus dem ukrainischen Dakh Theatre, stricken auch sonst einen Teppich aus tausend verschiedenen Garnen:
 

Punk, Klassik, Hip Hop, Volksmusik, Chanson
Ukrainisch, Französisch, Englisch
Songtext, Literatur, politischer Aufruf
Konzert, Tanz, Performance, Videoprojektion
Putzkittel, Pelzmäntel, Tutus


Einen Überblick über die kulturelle Collage die Medienmixtur zu bewahren, ist unmöglich, und man ahnt ziemlich genau, dass man nur einen Bruchteil der Anspielungen mitbekommt — ohne genaue Kenntnisse der Sprachen und der ukrainischen Kultur ist man verloren im Unterholz des Freak Cabarets. Und was zurzeit in der Ukraine abgeht, weiss man auch nicht mehr so exakt. (Wann haben die Medien zuletzt darüber berichtet?) Aber immer dann, wenn man sich verirrt hat, nehmen einen Musik und Show wieder an die Hand.
Und verzweifelte Liebe, politische Wut: Das versteht man überall auf der Welt. Die Dakh Daughters haben einst auf dem Euromaidan gegen die Regierung angespielt.

Jetzt stehen sie aber auf der Seebühne an der Landiwiese, hier im politisch stabilen Zürich, wo die Russen allenfalls die Luxushotels besetzen. Die harmonieverwöhnten Schweizer auf der ausverkauften Tribüne lassen sich nur halbwegs mitreissen; immerhin applaudieren sie nach jedem Song und fordern am Ende mit Standing Ovations nach Zugaben. Mitgeklatscht wird aber nur, wenn es eine der sechs Dakh Daughters vormacht, und viele der älteren Herr- sowie Frauschaften im Publikum machen einen konsternierten Eindruck; einige verlassen ihre Plätze vorzeitig. Sie haben wohl mehr Schauspielhaus und weniger Punkkonzert erwartet.
Die Ticketpreise (43.-) und die Insitution des Theater Spektakels locken halt kein Publikum an, das anschliessend an der Bahnhofsstrasse randaliert und Alfred Escher vom Sockel stürzt.
Aber die Show der Dakh Daughters vergisst hier trotzdem keiner so schnell wieder.

 
Homepage des Theater Spektakels

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