The Babadook: Gut, aber nicht genial – Mehr Fett, bitte!

The Babadook

Selten sieht man solche Filme. Vordergründig ein Horrorfilm, aber dahinter steckt mehr. Der Film zwingt seine Inhalte auf, aber eben: Hintergründig. Vermutlich sollte ein Psychoanalytiker herbei gezogen werden, um die Tiefen auszuloten und zu ergründen. Einen tauchenden Analytiker bräuchte man also, der da runter geht, während wir mit dem Horrorboot gemütlich auf dem Wasser dahin treiben.
Der Film weckt Assoziationen, zu Tarkowskis „Solaris“: Denn auch hier geht es um das eigene Versteckte, das tief im Innern verborgene, das sich nicht zurück drängen lässt, hervor bricht, Gestalt annimmt und unnachgiebig verfolgt. In der Archaik hingegen ist der Ödipus Bezug; ohne es zu übertreiben lässt sich die Protagonistin als getrieben von einem Iokaste-Komplex bezeichnen.
Jennifer Kent hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt, der Film hat einige Preise gewonnen und ist von der Kritik hochgejubelt worden.

Aber zum Inhalt (denn: Worum geht es denn eigentlich?). Weiterlesen

Aber, aber, aber, aber …

Die ZHdK zeigt die Bachelor- & Masterfilme 2015 und nennt das „Kamera ab! Kamera läuft“. Im vierten und letzten Block betreibt man Paläontologie, untersucht man Zwangsstörungen, ist man besessen von der Nachbarin, experimentieren die Freunde der Serengetis.

 

Programmblock D:
Paläontologie von Pablo Callisaya
Procedere von Delia Schildknecht
Gegenüber von Sarah Bellin
Aber I-IV von den Freunden der Serengetis

 

Paläontologie. Pablo Callisaya. 13 min. Fic.
Zwei junge Männer sitzen in einer Bar. Sprechen über Frauen.
Die älteren Weiber sind besser im Bett.
Zehn Jahre älter: Archäologie.
Darüber hinaus: Paläontologie.
Muss sofort ausprobiert werden.
Callisaya empfiehlt sich für eine Comedyserie im Schweizer Fernsehen.

 

Procedere. Delia Schildknecht. 9 min. Fic.
Eine Patientin leidet an Depression/Zwangsstörung.
Tagebucheinträge.
Auszüge aus dem Patientenbuch.
Bildüberlagerungen.
Zeichentricksequenzen.
Zahlen.
Nachvollziehbarer Einblick in den psychischen Abgrund.

 

Gegenüber. Sarah Bellin. 15 min. Fic.
Einer zeichnet und malt.
Ist besessen von der Nachbarin.
Der Liebhaber der Frau besucht sie.
Zeichner gibt sich als Hauswart aus und stört die beiden.
Man denkt an Hitchcocks „Rear Window“.
Charakterdrama mit Thrillerelementen (denn ein richtiger Thriller wäre ordinär).
Interessante Farbdramaturgie: Alles in der Wohnung der Frau ist blau – bis auf ein rotes Gemälde von Blinky Palermo (den Maler gibts wirklich und der heisst tatsächlich so).

 

Aber I-IV. Freunde der Serengetis. 34 min. Fic.
Die Freunde der Serengetis ist eine Gruppe von 4 Filmemachern.
Zusammen drehten sie 4 Episoden – nach einem Gedicht von Thomas Brasch: „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“.
Aber I: Drei Jungen wandern durch eine/n Steinbruch/Kiesgrube, etc. Minimärchen zu genialem Soundtrack.
Aber II: 1 Wohnwagen, 1 Mann, 1 Frau, 1 Strassenkarte & 1 Whiskyflasche.
Aber III: Ein Koch sucht Arbeit und geht zu seiner Freundin. Das Haus ist eine Ruine. Sie besitzen ein Maultier. Das Ende sieht er nicht kommen.
Aber IV: Eine junge Fotografin und ein alter glatzköpfiger Fotograf. „Wie geht es dir eigentlich?“ Ein asphaltiertes Feld, auf dem Leute mit Motorrädern herumfahren. Jeder Klick des Fotoapperats ein Bildsprung.
Toll.

Miniaturen

Die ZHdK zeigt die Bachelor- & Masterfilme 2015 und nennt das „Kamera ab! Kamera läuft“. Im dritten Block ist Osteuropa depressiv, bringt man den Hund raus, spricht man durch Zäune und klaut man bei „Sex and the City“.

 

Programmblock C:
Luftschloss von Olga Dinnikova
Taking the Dog Out von Felix Hergert
Zaungespräche von Lisa Gerig
Fragil von Rebecca Panian

 

Luftschloss. Olga Dinnikova. 19 min. Fic.
Weil der Vater säuft, läuft ein Scheidungskind dem Vater davon und zur Mutter.
Osteuropäische Depression – in Schwarzweiss.
Ein Kind schnüffelt Leim. Ein anderes hat ein verbranntes Gesicht.
Luftballons schweben über einem See.

 

Taking the Dog Out. Felix Hergert. 10 min. Fic.
Ein Puzzle aus Miniaturen.
Leute: Heben Geld ab. Warten vor dem Klub. Rauchen draussen. Trinken gemeinsam eine Flasche Schwaumwein aus. Schlafen am nächsten Morgen nebeneinander. Oder gehen Gassi mit dem Hund.
Dazwischen: Karpfen in einem Aquarium.
Lyrischer Film/filmisches Gedicht.
Simpel aber wunderschön.

 

Zaungespräche. Lisa Gerig. 14 min. Doc.
Lisa Gerig besucht einen Asylanten im Ausschaffungsgefängnis am Zürcher Flughafen.
Über Ostern ist das Gefängnis für Besucher geschlossen – Gerig ruft durch den Zaun.
Stromleitungen, Architektur, Boden: Fast schon abstrakte Bilder unterlegen den filmischen Essay.
Gerig macht ihre politische Meinung klar, aber emotionalisiert und sensationalisiert nicht.

 

Fragil. Rebecca Panian. 26 min. Fic.
Ein Date.
Er ist ein hilfloser Trottel.
Sie ist eine Psychobitch.
Beide sind unsympathisch.
Szene: Frau geht zu ein paar besoffenen Typen, die ihr nachpfeifen, und konfrontiert einen. „Na, was jetzt?“ Er kneifft.
Das stammt 1:1 aus „Sex and the City“. 0 Punkte.

Kläranlage

Die ZHdK zeigt die Bachelor- & Masterfilme 2015 und nennt das „Kamera ab! Kamera läuft“. Im zweiten Block regnets nicht, fliegt ein junger Mann, singt eine junge Frau und wird ein Afrikaner abgeschoben.

 

Programmblock B:
Aujourd’hui il ne pleut pas en Suisse von Lara Stoll
Leonardo von Ilir Hasanaj
Please No Dancing von Moritz Willenegger
Inland von Piet Maubargtner

 

Aujourd’hui il ne pleut pas en Suisse. Lara Stoll. 11 min. Fic.
Genau, Lara Stoll: Poetry Slam. Bild und Ton. Suisis.
Nach einer wahren Geschichte (angeblich).
Eine Familie (Vater, Mutter & 2 Kids) besucht eine Kläranlage, lässt sich herumführen.
Erinnert an Industriewerbung, ist aber auf subtile Weise gerade überzogen genug, um unfassbar komisch zu sein.
Beispiel 1: Der Rundgangsleiter stellt sich vor. Anschliessend macht der Vater ein Foto. (Hört sich nicht unbedingt witzig an, aber das Timing ist perfekt.)
Beispiel 2: „Do häts no es Probiererli vo üsem klärte Wasser.“
Der Rundgang nimmt eine tragische Wendung.
Lara Stolls Humor erschliesst sich mir nicht immer – aber dieser Kurzfilm ist grandios.

 

Leonardo. Ilir Hasanaj. 18 min. Fic.
Junger Mann (Leonardo) lebt in der Vergangenheit.
Trauert seiner Freundin nach.
Fliegt mit einer selbstentwickelten Flugmaschine davon (weil Leonardo da Vinci).*
Der junge Mann spricht seltsam:
„Ich wünsche jetzt kei Sandwich.“
„Ich kann dir ned folge.“
„Min Name isch Leonardo! Mich schickt de Alfredo!“
Es ist übrigens nicht nur Leonardo:
„Wenn Sie jetzt ned sofort do abechömid, setze ich die Waffe do i.“
Sowas kommt dabei raus, wenn man ein hochdeutsches Skript von den Darstellern 1:1 Schwyzerdütsch sprechen lässt.

*nicht zu verwechseln mit Leonardo von Winti

 

Please No Dancing. Moritz Willenegger. 24 min. Fic.
Junge Frau singt in christlicher Band.
Lernt eine andere junge Frau kennen.
Verlässt die Band, um mit der anderen jungen Frau in einer WG zu leben und experimentelle Musik zu machen.
Seltsame Dialoge auch hier, aber nicht so schlimm wie im letzten Film: „Nathan. Wie ich gesh, häsch es paar Lüüt mitbracht.“
Das experimentelle Musikvideo ist „geile Scheiss“.

 

Inland. Piet Maubargtner. 20 min. Fic.
Nach einer wahren Geschichte.
Alinas Vater ist ein Afrikaner.
Vater wird als angeblicher Drogendealer verhaftet.
Anwalt empfiehlt, sich schuldig zu bekennen. Damit Vater weniger als zwei Jahre ins Gefängnis muss. Ab zwei Jahren würde er automatisch abgeschoben.
Vater ist zu stolz, um ein falsches Geständnis abzulegen.
Man kann sich denken, wie es endet.
Hab ich grad eine Folge „Law & Order“ gesehen?

Gefühlsporno

Die ZHdK zeigt die Bachelor- & Masterfilme 2015 und nennt das „Kamera ab! Kamera läuft“. Im ersten Block gibts Steine und Familienschmerzen. Eine Inaugscheinnahme im Stakkato.

 

Programmblock A:
Steinzeit von Mirjam Zimmermann
Familienbruchstück von Natalie Pfister

 

Steinzeit. Mirjam Zimmermann. 6 min. Fic.
Junge Frau klettert durch die Gegend, sucht Steine, begegnet einem Typen, der sie dumm anquatscht.
Nach langem Zureden setzt sie sich in sein Auto.
Aus dem Kofferraum springt ein Typ.
Ende.
Äh, okay? Irgendwie fehlt da was.

 

Familienbruchstück. Natalie Pfister. 60 min. Dok.
Geschichte einer Scheidung.
Mann, Frau, zwei Kinder.
Regisseurin befragt alle vier zur Trennung der Eltern (der Mann hat sich damals in eine andere verliebt), lässt die Antworten von Schauspielern wiedergeben, zeigt der Familie die Aufnahmen, lässt sie über das Gesehene reflektieren.
Man spürt die Kraft des Erzählens – aber auch den eigenen Voyeurismus.
Wenn es sowas wie Gefühlsporno gibt – hier kann man sich einen darauf wichsen.